Chronik des Schützenvereins
Am Freitag, den 25. Juli 1919 wurde der Verein als "Schützenbund von Klein Wesenberg" gegründet. Dazu waren 14 Herren erschienen, die sich in dem Gasthot "Zur Fähre" bei dem Wirt Emil Möller versammelt hatten.
Es waren: Fritz Schmidt, Paul Benthien, Willy Kröger, Johannes Schühmann, Wilhelm Stricker, Heinrich Oldörp, Emil Möller, Fritz Oldörp, Johannes Prahl, Karl Prahl, Heinrich Abbenseth, Heinrich Rodust, Hinnerk Oldörp und Fritz Kröger.
Gemeindevorsteher Fritz Schmidt wurde 1. Vorsitzender, Kaufmann Paul Benthien 2. Vorsitzender, Sattlermeister Willy Kröger Schriftführer. Mitglieder konnten damals werden Herren über 18 Jahre alt aus Klein Wesenberg, Heidberg und Klein Schenkenberg. Der erste Schießstand für Kleinkaliber war in der Sandkuhle am Kirchberg. Von der Travebrücke aus wurde in Richtung der Travewiesen entlang des Friedhofs geschossen.
Noch im Gründungsjahr veranstaltete der Verein am 7. September ein "allgemeines Sommervergnügen mit Ball, Scheibenschießen und sonstigen Belustigungen". Es spielte eine 5-Mann-Kapelle. Von den damals 27 Mitgliedern waren 13 zum Dienst eingeteilt. Seit 1920 fand unser Volks- und Schützenfest dann immer an den Pfingsttagen statt und das Königsschießen (mit wenigen Ausnahmen) im Herbst.
Bald nach Gründung erhielt der Verein von der Kirche die Erlaubnis, in den Tannen auf dem jetzigen Gelände zu schießen. 1919/20 wurde hier ein Schießstand für 175 Meter mit Großkaliber eingerichtet. Ab 1921 nannte sich der Verein "Schützenverein Klein Wesenberg und Umgegend". Im selben Jahr wurde eine Schießhalle unter der Leitung von Fritz Oldörp gebaut und eine gestickte Fahne angeschafft, für die unter den Mitgliedern gesammelt wurde und für die der Vereinswirt einen namhaften Betrag stiftete.
Unsere Fahne führt als Leitmotiv die Worte "Üb' Aug' und Hand für's Vaterland". Es erklärt sich aus der Zeit. Dennoch haben wir nach kontroverser Diskussion aus Tradition das Motto beibehalten, als 1979 eine neue Fahne angeschafft wurde. Die alte Fahne wird auch heute noch in Ehren gehalten. Auch die zweite Fahne wurde mit gestiftetem Geld der Mitglieder erworben.
Am 9. Januar 1924 kam Willy Kröger an die Spitze des Vereins. Er leitete ihn fast 40 Jahre über gute und schlechte Zeiten hinweg bis zum 14. Januar 1961. Das Schützenwesen in Klein Wesenberg nahm unter ihm großen Aufschwung. Er widmete sich dem Verein mit seiner ganzen Kraft. 1924 wurden die ersten Schützenuniformen angeschafft. Ein Tontaubenstand wurde eingerichtet.
1932 schloß sich der Verein mit Berkenthin, Siebenbäumen und Kastorf zu einer Gemeinschaft zusammen, die von da an alljährlich, soweit es erlaubt war, den "Horridopokal" ausschoß. Ob die Namensgebung darauf zurück geht, dass statt unseres heutigen "Gut Schuß" damals "Horrido" angestimmt wurde, ist nicht überliefert. Sicher ist aber, daß der gesellige Umtrunk mit humorvollen Ansprachen auch damals den Pokaltag ausklingen ließ. Es war eine gute Zeit, in der die Kameradschaft gepflegt wurde.
Von den wunderbaren Touren mit Pferd und Wagen über holprige Wege zu den Nachbarvereinen ist noch in jüngster Zeit berichtet worden. Es muß viel Freude gemacht haben, den Verein zu leiten. Vorstandsarbeit ehrte eine damals nicht nur, sondern wurde eine Zeit lang auch mit Bier, Kümmel und Zigarre entschädigt.
Nach 1933 zog auch in unseren Verein der Zeitgeist ein. Es wurden Fackelzüge veranstaltet. Ab Januar 1934 galt das Führerprinzip. Der 1. und 2. Vereinsführer wurden gewählt. Dazu wurde ein Beirat ernannt. Vorstandswahlen gab es danach nicht mehr. So recht schienen die Mitglieder das neue Prinzip nicht verinnerlicht zu haben. Wechselweise unterschrieb der Vorsitzende Protokolle mal als Führer oder als Leiter und auch als 1. Vorsitzender. Auch sonst schien bei den übrigen Mitgliedern das neue Prinzip nicht allzu fest verwurzelt gewesen zu sein.
Nachdem 1930 in der Generalversammlung festgelegt worden war, daß alle Mitglieder am Totensonntag am Kirchgang teilnehmen sollten, wurde unter dem Führerprinzip darum "dringend gebeten", dass die Mitglieder am Heldengedenktag erscheinen sollten.
Die letzte Mitgliederversammlung war damals am 29. Juni 1940, in der eine Jugendabteilung für die 14- bis 18jährigen gebildet wurde, was wegen der Kriegsereignisse aber nicht mehr zum Tragen kam. Nach dem Krieg galt ein allgemeines Schießverbot. Das Vereinsleben ruhte.
Als die Beschränkungen gelockert wurden, nahm Willy Kröger als "Vereinsführer" auf Anregung von Paul Benthien die Vereinsarbeit wieder auf. Da das "Fährhaus" nach dem Krieg den Wirtshausbetrieb eingestellt hatte, war nun die Gaststätte Martens das Vereinslokal. Der Aufbau des Schießstandes und seine Finanzierung zogen sich hin. Die Mittel waren knapp.
1951 wurde damit begonnen, dass zunächst die Schießbahnen niedergelegt wurden. 1953 wurde dann der Beschluß gefaßt, den Scheibenstand wieder aufzubauen, zu erweitern und die dafür nötigen Anträge zu stellen. Mit der Arbeit am Stand wurde schließlich nach Ostern 1954 angefangen. Im selben Jahr wurde das "Horridoschießen" wieder aufgenommen.
Von nun an ging es wieder voran. Am 16. April 1955 wurde eine Jugendabteilung gebildet, derer erster Leiter Gustav Wilken war. 1958 wurde eine Baracke gekauft und aufgestellt, der Ursprung unseres jetzigen Schützenhauses. Auch das Kreisverbandsfest wurde in diesem Jahr erstmals bei uns gefeiert. Der 50-m-KK-Stand wurde auf sieben Bahnen erweitert, das LG-Schießen aber fand noch bis 1968 bei Wolfgang Töpper in Rothenhausen statt.
Am 14. Januar 1961 wurde Herbert Möller 1. Vorsitzender. Durch seinen unermüdlichen Einsatz erreichte der Verein unvergessene Höhepunkte, was besonders unser Schützenfest anlangte. Da die Räumlichkeiten wegen des starken Besucherzustroms nicht ausreichten, wurde ab 1963 in einem gemieteten, an der Schützenhalle aufgestellten Zelt gefeiert. Schon 1965 war der Verein in der Lage, zusammen mit sieben anderen Vereinen eine Zeltgemeinschaft zu bilden. Sie bestand bis 1985. Dazu kam seit 1970 das Gastronomiezelt unseres Zeltwirts und Schützenbruders K. Friedrich Freitag.
Am 22. Oktober 1968 wurde die Damenabteilung gegründet, deren erster Trainer Dieter Bartheidel war, unter dessen fachkundiger Unterweisung die Damen große Erfolge bis hin zur Landesebene mit Meisterschaften errangen. Herbert Möller leitete den Verein mit Ausnahme einer wechselvollen Übergangszeit von 1969/70 bis zu seinem tragischen Tod im November 1978. In seine Zeit fielen viele großartige unvergessene Schützenfeste in den Wesenberger Tannen, als Werner Schmidt als Schriftführer mit die Seele des Vereins war.
Herbert Möllers Nachfolge traten Wolfgang Töpper und ab 23. Januar 1981 Uwe Möller an, der schon seit 1970 2. Vorsitzender gewesen war. Es begann die Phase des Ausbaus des Standes als Schießzentrum. Nach dem ersten Bauabschnitt mit der Erstellung des neuen LG-Standes im Jahre 1983 folgte 1989 der Bau des Pistolenstandes und des 100-m-KK-Standes, sowie die Gründung der Bogensparte. Am Ausbau haben entsprechend unserer satzungsmäßig festgelegten und auch mit der Bauleistung bewiesenen kameradschaftlichen Verbundenheit viele Mitglieder mitgearbeitet.
Besonders zu erwähnen war der "Bauleiter" Dieter Bartheidel. Pfingsten 1994 wurde das große Jubiläumsschützenfest gefeiert. Als musikalische Gäste konnte die Stadtkapelle Sonthofen mit großem Aufgebot in Klein Wesenberg begrüßt werden. Anläßlich des 75jährigen Jubiläums erstellte der langjährige Schriftführer (1980-1993) Günter Wendorff auch eine Chronik, die für das Obenstehende herangezogen wurde.
1995 gab der 1. Vorsitzende Uwe Möller, übrigens ein Enkel des Gründungsmitgliedes Emil Möller, sein Amt in jüngere Hände. Dieter Wille mußte aus beruflichen Gründen dieses Amt bereits nach nur drei Jahren wieder zur Verfügung stellen. Seitdem leitet Andreas Möller, der Sohn des langjährigen Vorsitzenden Herbert Möller, die Geschicke des Vereins.
Bereits ein Jahr nach seinem Amtsantritt wurde es erforderlich die Schießanlagen zu renovieren. der Zahn der Zeit hatte an den Blenden und Schutzwällen genagt. Mit vereinten Kräften ging es an die Arbeit. Leider war man seitens des Staatlichen Umweltamtes der Auffassung, daß ein so umfangreicher Eingriff einem Bauantrag bedurfte, und legte die Baustelle still.
Seitens des Vorstandes und der zahlreich mithelfenden Mitglieder wurde diese Chance genutzt und ein mit Baugeneh-migung ein moderner Teilgedeckter Langwaffenschießstand mit 50- und 100-m-Bahnen erstellt. Dieser Schießstand wurde so erstellt und abgenommen, daß in Klein Wesenberg, wie schon auf dem vor 80 Jahren erstellten Schießstand auch wieder mit Großkaliber geschossen werden kann. Die Einweihung fand am 23. März 2002 statt.